V. Psychische und Verhaltensstörungen
(F00-F99)
Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
(F40-F48)
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F40 Phobische Störungen
Eine Gruppe von Störungen, bei der Angst ausschließlich oder überwiegend
durch eindeutig definierte, eigentlich ungefährliche Situationen
hervorgerufen wird. In der Folge werden diese Situationen typischerweise
vermieden oder mit Furcht ertragen. Die Befürchtungen des Patienten können
sich auf Einzelsymptome wie Herzklopfen oder Schwächegefühl beziehen,
häufig gemeinsam mit sekundären Ängsten vor dem Sterben, Kontrollverlust
oder dem Gefühl, wahnsinnig zu werden. Allein die Vorstellung, daß die
phobische Situation eintreten könnte, erzeugt meist schon Erwartungsangst.
Phobische Angst tritt häufig gleichzeitig mit Depression auf. Ob zwei
Diagnosen, phobische Störung und depressive Episode, erforderlich sind,
richtet sich nach dem zeitlichen Verlauf beider Zustandsbilder und nach
therapeutischen Erwägungen zum Zeitpunkt der Konsultation.
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F40.0 Agoraphobie
- Eine relativ gut definierte Gruppe von Phobien, mit
Befürchtungen, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in
Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein, alleine mit
Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen. Eine Panikstörung kommt als
häufiges Merkmal bei gegenwärtigen oder zurückliegenden Episoden
vor. Depressive und zwanghafte Symptome sowie soziale Phobien sind
als zusätzliche Merkmale gleichfalls häufig vorhanden. Die
Vermeidung der phobischen Situation steht oft im Vordergrund, und
einige Agoraphobiker erleben nur wenig Angst, da sie die phobischen
Situationen meiden können.
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F40.1 Soziale Phobien
- Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen, die zu
Vermeidung sozialer Situationen führt. Umfassendere soziale Phobien
sind in der Regel mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor
Kritik verbunden. Sie können sich in Beschwerden wie Erröten,
Händezittern, Übelkeit oder Drang zum Wasserlassen äußern. Dabei
meint die betreffende Person manchmal, daß eine dieser sekundären
Manifestationen der Angst das primäre Problem darstellt. Die
Symptome können sich bis zu Panikattacken steigern.
F40.2 Spezifische (isolierte)
Phobien
- Phobien, die auf eng umschriebene Situationen wie Nähe von
bestimmten Tieren, Höhen, Donner, Dunkelheit, Fliegen, geschlossene
Räume, Urinieren oder Defäkieren auf öffentlichen Toiletten,
Genuß bestimmter Speisen, Zahnarztbesuch oder auf den Anblick von
Blut oder Verletzungen beschränkt sind. Obwohl die auslösende
Situation streng begrenzt ist, kann sie Panikzustände wie bei
Agoraphobie oder sozialer Phobie hervorrufen.
F41 Andere Angststörungen
Bei diesen Störungen stellen Manifestationen der Angst die Hauptsymptome
dar, ohne auf eine bestimmte Umgebungssituation bezogen zu sein. Depressive
und Zwangssymptome, sogar einige Elemente phobischer Angst können vorhanden
sein, vorausgesetzt, sie sind eindeutig sekundär oder weniger ausgeprägt.
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F41.0 Panikstörung [episodisch
paroxysmale Angst]
- Das wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende schwere
Angstattacken (Panik), die sich nicht auf eine spezifische Situation
oder besondere Umstände beschränken und deshalb auch nicht
vorhersehbar sind. Wie bei anderen Angsterkrankungen zählen zu den
wesentlichen Symptomen plötzlich auftretendes Herzklopfen,
Brustschmerz, Erstickungsgefühle, Schwindel und
Entfremdungsgefühle (Depersonalisation oder Derealisation). Oft
entsteht sekundär auch die Furcht zu sterben, vor Kontrollverlust
oder die Angst, wahnsinnig zu werden. Die Panikstörung soll nicht
als Hauptdiagnose verwendet werden, wenn der Betroffene bei Beginn
der Panikattacken an einer depressiven Störung leidet. Unter diesen
Umständen sind die Panikattacken wahrscheinlich sekundäre Folge
der Depression.
F41.1 Generalisierte Angststörung
- Die Angst ist generalisiert und anhaltend. Sie ist nicht auf
bestimmte Umgebungsbedingungen beschränkt, oder auch nur besonders
betont in solchen Situationen, sie ist vielmehr "frei flottierend".
Die wesentlichen Symptome sind variabel, Beschwerden wie ständige
Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen, Benommenheit,
Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Oberbauchbeschwerden gehören zu
diesem Bild. Häufig wird die Befürchtung geäußert, der Patient
selbst oder ein Angehöriger könnten demnächst erkranken oder einen
Unfall haben.
F41.2 Angst und depressive Störung,
gemischt
- Diese Kategorie soll bei gleichzeitigem Bestehen von Angst und
Depression Verwendung finden, jedoch nur, wenn keine der beiden
Störungen eindeutig vorherrscht und keine für sich genommen eine
eigenständige Diagnose rechtfertigt. Treten ängstliche und
depressive Symptome in so starker Ausprägung auf, daß sie einzelne
Diagnosen rechtfertigen, sollen beide Diagnosen gestellt und auf diese
Kategorie verzichtet werden.
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